Menschen an Bord (1)

Badegast, der, ironisch-abfällig „eine Person an Bord ohne seemännische Funktion“. Seit dem 19. Jhd. belegt. Die Wortteile gehen auf germanisch *bapa-„Bad“ und *gasti-„Gast“ zurück.

 

Aus dieser niedrigen gesellschaftlichen Position folgt auf der Rangleiter an Bord einen Schritt nach oben Moses, der, 1. jüngster Schiffsjunge, 2. Schiffsneuling, 3. kleinstes Beiboot

 

Die Abkunft aller drei Begriffe geht auf die Aussetzung des kleinen Moses in einem Körbchen zurück (Bibel, 2.Moses 2,3).

 

 

Fortsetzung folgt, js.

Menschen an Bord (2)

Der Rangordnung an Bord folgend (nach Badegast und Moses) stellen wir heute vor:

 

Matrose, der, 1. „Seemann des niederen Schiffsdienstes“, daraus „ausgelernter Seemann der Handelsmarine“, 2. „unterster Dienstgrad der Kriegsmarine“.

 

Im 17.Jhd. entlehnt aus 1. niederländ. matroos, dies aus französ. matelots „Seeleute“, dies wiederum aus dem niederländ. mattennot, „Kamerad, Mattengenosse“, letztlich aus dem lat. matta, „Matte, Bodenbelag“, weil Seeleute häufig ihren Schlafplatz teilen mussten, was heutzutage als „heiße Koje fahren“ bezeichnet wird oder aus 2. matghenoot „Tischgenosse“ von german. *mat, „Speise“, -> Maat. Je nach Fahrenszeit unterschied man zwischen Leicht- und Vollmatrosen. Ihr Einsatzbereich waren alle seemännischen Arbeiten an Deck.

 

(Anm. d. Verfassers:
Bereits seit 1984 gibt es die Berufsbezeichnung Matrose in der gewerblichen Schifffahrt nicht mehr. Der „Facharbeiter auf Schiffen“ trägt heute nach dreijähriger Ausbildung die Berufsbezeichnung „Schiffsmechaniker“, wie unromantisch! Einsatzbereich: alle seemännischen und technischen Arbeiten an Bord.)

 

 

Anregungen und Anfragen an j.s, Fortsetzung folgt.

Menschen an Bord (3)

War der zuletzt vorgestellte Matrose ein Seemann des niederen Schiffsdienstes, so ist

 

der Maat, 1. ein Seemann des mittleren Schiffsdienstes, 2. in der Marine im Rang eines Unteroffiziers, 3. allg. Bedeutung: Gehilfe, Genosse, Kamerad. Herkunft des Wortes siehe unter Matrose.

 

Die Tätigkeit eines Maates an Bord ist die eines Gehilfen seiner Vorgesetzten, z.B. des Bootsmannes als Bootsmannsmaat, des Steuermannes als Steuermannsmaat, als Kochsmaat o.ä. mit Hilfe einer ihm unterstellten Gruppe von Matrosen.

 

Der Bootsmann, 1. Seemann des mittleren Schiffsdienstes, 2.in der Handelsschifffahrt die Meisterposition des Lehrberufes des Matrosen, 3. in der Marine Unteroffizier im Range eines Feldwebels, 4. bezahlte Kraft für die Pflege einer Yacht.

 

Aus dem niederdt. bosman, belegt seit dem 14. Jhd. Seine Tätigkeit war und ist sehr vielfältig. Der Bootsmann ist verantwortlich für die Unterhaltung und Instandsetzung der gesamten seemännischen Ausrüstung eines Schiffes, bei Segelschiffen insbesondere der Takelage.

 

 

Anregungen und Anfragen an j.s, Fortsetzung folgt.

Menschen an Bord (4)

Wir kommen heute zur höchsten Führungsebene eines Schiffes, Steuermann und Kapitän und betrachten zunächst den

 

Steuermann, der. 1. in der Berufs- und Segelschifffahrt der wachhabende nautische Schiffsoffizier, der in seiner Wache die Verantwortung für das Schiff trägt. Das Wort Steuermann sagt aus, dass der betreffende Seemann die Navigation erlernt hat (im Gegensatz zum technischen Schiffsoffizier).

Der 1.Steuermann ist nach dem Kapitän der höchstrangige Schiffsoffizier an Bord und dessen Stellvertreter. 2. auf Yachten sinngemäß ein Wachführer mit entsprechendem Führerschein. 3. in der Marine nennt man Schiffsoffiziere übrigens Seeoffiziere. Dem 1.Steuermann entspricht hier der 1. Offizier (IO), der auch Stellvertreter des Kommandanten ist , der aber kein Kapitän(z. See) sein muss. Kleinere Einheiten der Bundesmarine, auf denen keine Stelle für einen 1.Offizier vorgesehen ist, heißen auch nicht Schiffe, sondern Boote (z.B. Schnellboote, U-Boote u.s.w.)

 

Anm. d. Verf.:

1. seemannschaftlich: In der Presse, auch der segelspezifischen, scheint immer öfter Verwirrung zu herrschen über die Bezeichnung der/des Frau/Mannes, der am Steuer eines Schiffes steht Diese/r Frau/Mann heißt Rudergänger. Freilich steuert der Rudergänger das Schiff, aber eher im handwerklichen Sinn, der Steuermann dagegen im Sinne von „leiten oder führen“.

Damit es nicht zu einfach wird: Es gibt einen Bereich der Segelschifffahrt, in dem Steuermann und Rudergänger identisch sind, und zwar auf Jollen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die/der Frau/Mann an der Pinne die volle nautische und juristische Verantwortung für die Jollenführung trägt. Auch die Bezeichnung „Steuermannsbesprechung“ für die obligate Einweisung vor einer (Jollen-)regatta ist somit korrekt.

2. sprachlich/grammatikalisch: Die Mehrzahl (Mz.) von Steuermann ist Steuerleute, nicht Steuermänner, wie ebenfalls immer öfter zu lesen ist. Der Ausdruck „-mann“ in zusammengesetzten Hauptwörtern ist nämlich fast immer geschlechtsneutral, die Mz. ist dann zwingend „-leute“ und beschreibt eine Gruppe von Menschen, Männer und/oder Frauen (z.B. Seemann-Seeleute, Kaufmann. Hauptmann, Feuerwehrmann u.s.w.) Die Mz. „Steuermänner“ meint also eine Ausgrenzung weiblicher Seeleute, was wohl nicht gewollt sein kann.

 

PS. Bei meinen Überlegungen zum letzten Teil bin ich auf eine befremdliche Tatsache gestoßen, die den einen Teil unserer Leserschaft nachdenklich stimmen sollte, dem anderen Teil aber zur Freude gereichen wird: Es gibt keine „Hampelleute“, wohl aber „Hampelmänner“!

 

Anregungen und Anfragen an j.s, Fortsetzung folgt.

Menschen an Bord (5)

Kapitän, der, (engl. captain, master). 1. verantwortlicher Führer eines Schiffes oder eines Flugzeuges (Flugkapitän) mit höchster Kommandogewalt und entsprechendem „Patent“, 2. Rang eines Marineoffiziers (Kapitän z. See), entspricht einem Oberst bei Heer und Luftwaffe, 3. Rang eines Heeresoffiziers (Captain) in vielen ausländischen Streitkräften, entspricht einem Hauptmann des Heeres. (Ein „Hauptmann“ bei der Marine ist dagegen ein Kapitänleutnant.)

Diese letzte Definition führt uns zur Herkunft des Wortes: lat. caput, der Kopf, das Haupt; Hauptmann ist somit eine wörtliche Übersetzung.

In der Bedeutung „Schiffsführer“ erst seit dem 15. Jh. durch Übernahme aus dem ital. capitano gebräuchlich.
Synonyme Begriffe für den Kapitän gibt es einige: Kommandant (in der Marine), Schiffer, Schipper und, vor allem in der
Sport- und Freizeitschifffahrt, Skipper.
Sie alle meinen dasselbe: Schiffsführer mit entsprechendem Befähigungsnachweis, höchster Verantwortung für Schiffsführung und Crew und, daraus resultierend, höchste Kommandogewalt. Was die Briten unter dem Begriff „höchste Kommandogewalt“ verstehen, haben sie, wohl auch ein wenig augenzwinkernd, so formuliert: „The skipper ist the master next god" , also: Erst kommt Gott, dann der Skipper und dann... eine Weile gar nichts (dies wird i. allg. sogar akzeptiert, entsprechende Fachautorität vorausgesetzt).

 

Der Begriff Skipper ist seiner Herkunft nach weit weniger englisch, als man meinen könnte. Seine Wurzeln liegen wohl im altnord./got./fries. skip, „Schiff“, übrigens auch in der Bedeutung „Gefäß“.

Die Wurzel skip/Schiff taugt auch als Herleitung für die Verben skippern und schippern, nicht jedoch für das Verb schiffen in seiner dt. Nebenbedeutung „pinkeln“ (s. skip /Gefäß).

Merke also: Ein Skipper skippert sein Schiff, ein Schipper schippert es, ein Schiffer schifft es aber nicht!

 

Anregungen und Anfragen an j.s, Fortsetzung folgt.)

Menschen an Bord (6)

Kein Kapitän oder Skipper, mag er noch so gut sein, wird in der Führung seines Schiffes erfolgreich sein, wenn er nicht auf eine gut ausgebildete Crew zurückgreifen kann.

 

Darüber hinaus findet man in jeder Crew Spezialkräfte, die durch Talent, Weiterbildung und/oder Praxis imstande sind, besondere Tätigkeiten auszuüben, „diese Matrosen heißen dienstlich Gasten, man sagt Signalgast, Kuttergast, Steuermannsgast, Kochsgast usw...
(Instruktion f. die preuß. Marine, 1864).
Also: Einzahl Gast, Mehrzahl Gasten, nicht etwa Gäste.
Mehrere Gasten einer Tätigkeitsgruppe nennt man Gang (engl. gesprochen: Gäng, Gruppe, Bande), z.B. Kuttergang, Bootsmannsgang usw.

Übrigens: als die Spitzenmatrosen galten die Toppgasten , jene Seeleute also, die in den höheren Etagen der Takelage ihren Dienst beim Segelsetzen – und reffen ausübten. Man unterscheidet je nach Mast, an dem diese Arbeit ausgeübt wurde, in: Vortoppgast, Großtoppgast usw.

 


Ich möchte die Sachgruppe „Menschen an Bord“ beenden mit der Betrachtung einer Spezialtätigkeit, die der ganzen Crew am Herzen bzw. am Magen liegt, nämlich der des Smutje. Smutje ist die ursprüngliche Bezeichnung für den Schiffskoch , wie allg. bekannt. Seit etwa Mitte des 19. Jhd. sollte man mit dieser Bezeichnung in Kreisen der Schifffahrt sehr vorsichtig umgehen, sie wird nicht gern gesehen, weil sie eher als eine ironisch-abfällige, bestenfalls scherzhafte Bemerkung gilt. Wie ein gelernter Schiffskoch diese Bezeichnung auffasst, kann man sich vielleicht vorstellen.
Warum ist das so?
Wenn man eine Antwort auf diese Frage haben will, muss man folgendes wissen:
Die Tätigkeit eines Smutje war nie besonders angesehen. Smutjes waren ausrangierte Seeleute und davon gab es mehrere Kategorien: alt und meist invalide, jünger und zu schwach für den Seemannsberuf oder in irgendeiner Form für den seemännischen Dienst untauglich geworden.

Ihnen gemeinsam war , dass sie für ihre Tätigkeit keinerlei Qualifikation erworben hatten. In einer Gruppe strammer Matrosen muss man sich über die Motivation dieser „Spezialkräfte“ keinen Illusionen hingeben.
Folgendes kam hinzu: In einer Zeit, als man noch nicht wirklich wusste, was Hygiene war, achtete man bereits streng auf peinliche Sauberkeit in Küchen.

Eine Kombüse (Bordküche) war wegen der Feuergefahr klein, obwohl vom Anspruch her eine Großküche. Fehlende Motivation (s.o.) und praktische Schwierigkeiten ließen es in der Kombüse oft an der notwendigen Sauberkeit mangeln.

Alles dies wird in der Herleitung des Begriffes Smutje deutlich:
nieder-dtsch./englisch smut, Schmutz, niederländ. smoezig, verrußt. Die Endung –(t)je ist eine niederländ. Verniedlichungsform (Diminutiv), wir kennen die „holländischen Meisjes = Mädelchen.
Die Übersetzung von Smutje ist demzufolge „Schmuddelchen“, Vorsicht also !

 

 

Anregungen und Anfragen an j.s, Fortsetzung folgt